Mehr als nur ein gutes Herz:
5 strategische Lektionen, die wir bei der Gründung unserer Stiftung gelernt haben
5 Lektionen zur Gründung einer Stiftung
1. Einleitung: Die Realität hinter der Vision
Jeder, der eine gemeinnützige Organisation gründen will, startet mit einer Vision: Menschen helfen, eine Lücke im System schließen, die Welt ein Stück besser machen. Doch auf die idealistische Vorstellung folgt oft die harte Landung in der Realität aus Bürokratie, unklaren Finanzierungswegen und persönlicher Haftung. Der Traum droht, an Formularen und formalen Hürden zu zerschellen.
Es gibt jedoch einen strategischeren Weg. Einen Weg, der die Kraft einer Vision mit der Stabilität einer professionellen Struktur verbindet. Bei der Gründung der Mati® Stiftung für seelische Gesundheit haben wir genau diesen Weg eingeschlagen und dabei einige entscheidende, oft kontraintuitive Lektionen gelernt. In diesem Artikel teilen wir die fünf wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Gründungsprozess.
2. Die Lektionen: Fünf entscheidende Erkenntnisse für Gründer im sozialen Sektor
2.1. Lektion 1: Vergessen Sie den Verein – Das Hybrid-Modell ist die Zukunft.
Die typische erste Idee für ein gemeinnütziges Projekt ist die Gründung eines Vereins (e. V.). Wir haben uns bewusst dagegen entschieden und ein strategisches Hybrid-Modell gewählt: Eine gemeinnützige Stiftung hält 100 % der Anteile an einer operativen gemeinnützigen GmbH (gGmbH). Dieser Aufbau ist kein Zufall, sondern ein strategischer Wettbewerbsvorteil, der dem oft als “Ehrenamts-Theater” empfundenen Vereinsmodell aus drei entscheidenden Gründen überlegen ist:
Die Rollenverteilung ist dabei glasklar: Die Stiftung fungiert als „Werte- und Rechtsrahmen“. Sie ist die Eigentümerin, die Hüterin der Vision und stellt sicher, dass alle Aktivitäten dem gemeinnützigen Zweck dienen. Die gGmbH ist der operative Arm, der „das Tagesgeschäft führt“, also Verträge schließt, Personal anstellt und die Programme umsetzt.
Die Vorteile dieser Struktur sind:
1. Begrenzte Haftung: Im Gegensatz zu einem Vereinsvorstand, der unter Umständen mit seinem Privatvermögen haftet, ist die Haftung durch die GmbH-Struktur klar auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt. Das schützt die handelnden Personen und schafft Rechtssicherheit.
2. Professionalität: Die gGmbH kann Angestellte bezahlen, Honorare vergeben und saubere Rechnungen ausstellen. Dies ermöglicht den Aufbau eines professionellen Teams und schafft klare, nachvollziehbare Arbeitsverhältnisse jenseits von unbezahltem Ehrenamt.
3. Förderfähigkeit & Vertrauen: Große Förderer, Stiftungen und Impact-Investoren bevorzugen diese klare, professionelle Struktur. Sie verleiht dem Projekt von Tag eins an einen institutionellen Charakter, der Seriosität und nachhaltige Planung signalisiert und den Zugang zu erheblichen Fördermitteln erleichtert.
Diese professionelle Struktur ist die notwendige Voraussetzung für die folgenden Lektionen – von der Sicherung großer Fördergelder bis zur Schaffung einer nachhaltigen Gründerrolle.
2.2. Lektion 2: Ohne Wirkungslogik kein Geld – Punkt.
Eine gute Idee allein finanziert kein soziales Projekt. Das wird besonders deutlich, wenn man das Problem betrachtet, das wir angehen: In Deutschland betragen die Wartezeiten auf Therapieplätze oft 4 bis 12 Monate. In dieser kritischen Phase entscheidet sich, ob eine Krise eskaliert. Unsere Idee war, genau diese Lücke zu schließen – doch um dafür Geld zu bekommen, brauchten wir mehr als nur Betroffenheit.
Die alles entscheidende Brücke zwischen Vision und Finanzierung ist die sogenannte „Wirkungslogik“ (Theory of Change). Sie ist das Herzstück jedes Förderantrags und zwingt Gründer, glasklar zu definieren: Welches gesellschaftliche Problem lösen wir? Wer ist unsere exakte Zielgruppe? Welche konkreten Maßnahmen (Angebote) führen zu welchen messbaren Zielen (Outcomes)? Ohne eine lückenlose logische Kette, die diese Punkte verbindet, ist die Chance auf Fördergelder gleich null. Erst dieser Schritt verwandelt eine gut gemeinte Absicht in ein strategisch fundiertes und aus Fördersicht perfektes Vorhaben.
2.3. Lektion 3: Schaffen Sie sofort Einnahmen, statt nur zu warten.
Das Standard-Drehbuch für gemeinnützige Organisationen lautet: warten. Warten auf die Bewilligung von Förderanträgen, die Monate dauern kann – eine Zeit, in der laufende Kosten für Gründung und Aufbau gedeckt werden müssen. Wir haben dieses Drehbuch verworfen. Statt passiv zu warten, verfolgten wir eine unkonventionelle unternehmerische Strategie: die sofortige Generierung von passiven Einnahmen.
Als konkretes Beispiel haben wir das digitale Produkt „Dein 24-Stunden-Selbstfindungsprogramm“, bestehend aus einem Audio-Kurs und einem Workbook, auf den Markt gebracht. Verkauft wird es über ein vollautomatisiertes System (Digistore24), was minimalen laufenden Aufwand bedeutet. Dieser Ansatz sicherte nicht nur die Liquidität in der kritischen Startphase, sondern schuf auch ein hohes Maß an Unabhängigkeit. Er beweist, dass die Organisation handlungsfähig ist und überbrückt die finanzielle Lücke, bis die großen Fördergelder fließen.
2.4. Lektion 4: Ihre Rolle als Gründer muss sich entwickeln.
Eine Organisation, die langfristig wachsen und wirken soll, darf nicht von einer einzigen Person abhängig sein. Deshalb ist eine bewusste Entwicklung der Gründerrolle entscheidend. Wir haben diesen Prozess in einem 3-Phasen-Modell der „natürlichen Rollenentwicklung“ strukturiert:
* Phase 1 (Monat 1-6): Das Gesicht & die Stimme. Zu Beginn ist der Gründer die zentrale Figur. Er verkörpert die Vision, spricht für das Projekt und prägt die Kultur.
* Phase 2 (Monat 6-18): Leitender Therapeut / Mentor. Der Fokus verschiebt sich nach innen. Der Gründer konzentriert sich auf den Aufbau des Teams, die Weitergabe von Wissen und die Supervision, um das System unabhängiger von seiner Person zu machen.
* Phase 3 (ab Monat 18): Der ruhende Pol im Hintergrund. Langfristig zieht sich der Gründer aus dem operativen Tagesgeschäft zurück. Er wird zum strategischen Leiter und „Hüter der Werte“, der die Organisation aus dem Hintergrund steuert und die Vision schützt.
Dieses Modell ist kein Kompromiss, sondern eine strategische Notwendigkeit. Es sichert nachhaltiges Wachstum, indem es die Verantwortung schrittweise auf eine breitere Struktur verteilt. Denn wir haben gelernt: Nachhaltige Wirkung entsteht nicht über Erschöpfung, sondern über Struktur.
2.5. Lektion 5: Professionalität ist der beste Schutz für Ihr Herzensprojekt.
Das vielleicht wichtigste Learning ist, dass Herz, Verstand – und Wirkung untrennbar zusammengehören. Eine leidenschaftliche, von Herzen kommende Mission benötigt eine professionelle, juristisch saubere und strategisch durchdachte Struktur als Fundament. Diese Professionalität ist kein Verrat an der ursprünglichen Idee, sondern deren bester Schutz.
Sie schafft die Stabilität, das Vertrauen und die rechtliche Sicherheit, die notwendig sind, um die eigentliche soziale Arbeit – in unserem Fall die Begleitung von Menschen in seelischen Krisen – wirksam, sicher und nachhaltig zu gestalten.
Wir arbeiten professionell, transparent und rechtssicher – ohne das Vereins-Ehrenamts-Theater.
3. Fazit: Strategie mit Seele
Ein erfolgreiches soziales Projekt zu gründen, erfordert mehr als gute Absichten. Es braucht beides: eine leidenschaftliche Vision, die Menschen berührt, und eine kluge, durchdachte Strategie, die diese Vision auf ein stabiles Fundament stellt. Indem man unternehmerisches Denken mit sozialer Wirkung verbindet, schafft man Organisationen, die nicht nur überleben, sondern nachhaltig wachsen und einen echten Unterschied machen.
Welche festgefahrene Vorstellung davon, wie man Gutes tut, könnten Sie als Nächstes überdenken?
Herzlichst
Mati®


Neueste Kommentare